Zwischen See, Geschichte und Genuss – Neujahrswanderung von Arbon nach Rorschach


Das Jahr war noch jung, kaum ein paar Stunden alt, als wir bereits unterwegs waren. Eine Neujahrswanderung gehört für uns inzwischen fest zum Jahresbeginn – nicht als sportlicher Vorsatz, sondern als bewusster Auftakt. Rausgehen, Luft holen, den Kopf klären. Und am Ende: gemeinsam ankommen, essen, bleiben.


Unsere Wahl fiel erneut auf den Bodensee. Eine Strecke, die wir bereits kannten, die aber gerade zu Jahresbeginn ihren eigenen, stillen Charakter entfaltet. Die Wanderung sollte uns von Arbon entlang des südlichen Bodenseeufer nach Rorschach führen – leicht, aussichtsreich und ohne Eile.


Noch in der dunklen Morgendämmerung starteten wir bei der Station Seemoosriet in Arbon. Die Landschaft lag ruhig da, der See war mehr zu erahnen als zu sehen. Zwischen den Geleisen und dem Auenwäldchen des Naturschutzgebietes Seemoosriet fassten wir Fuss auf einem schmalen Wanderweglein. Feuchte Erde unter den Schuhen, gedämpftes Licht, erste Vogelstimmen – alles wirkte entschleunigt, beinahe zeitlos.


Über den Seepark näherten wir uns dem kleinen Seehorn. Das naturbelassene Strässchen führte sanft um die Landzunge herum, bevor es bei der Badeanstalt wieder etwas vom See wegzog. Der Rhythmus stellte sich rasch ein. Schritte, Atem, Blick – alles wurde ruhiger. Der Bodensee begann sich langsam aus der Dämmerung zu lösen.


Wir passierten das Gelände des ehemaligen spätrömischen Kastells Arbor Felix. Sichtbar ist davon heute nichts mehr, doch die Geschichte bleibt präsent. Erst 1957 konnte das Kastell archäologisch nachgewiesen werden, da es vollständig vom mittelalterlichen Ortskern überbaut ist. Der Name Arbor Felix – sinngemäss „glücks- oder segenbringender Baum“ – lebt im heutigen Ortsnamen weiter. Ein passender Gedanke für den ersten Wandertag des Jahres.


Zurück am Ufer folgten wir dem Quai. Auf der einen Seite die Häuserzeilen Arbons, auf der anderen das weite Wasser des Bodensees, oft auch als „schwäbisches Meer“ bezeichnet. Der drittgrösste Binnensee Mitteleuropas verbindet hier drei Länder – Deutschland, Österreich und die Schweiz – und wirkt an diesem Morgen dennoch erstaunlich intim.


Mit der Überquerung der Aach wechselten wir vom Kanton Thurgau nach St. Gallen und erreichten den Rand von Steinach. Die Wegweisung lotste uns wieder hinunter ans Seeufer, vorbei am Mobilheim-Park Weidenhof bis zur Steinachmündung. Dort wartete ein kleines Highlight: die Hängebrücke. Mit einer Spannweite von 38 Metern und einer Gesamtlänge von 67 Metern schwingt der Holzsteg leicht über dem Wasser – gerade genug, um innezuhalten und den Moment bewusst wahrzunehmen.


Nach dem Jachthafen betraten wir erneut thurgauisches Gebiet. Wir passierten den Hafen Horn-West und wanderten auf breitem Weg an der markanten evangelischen Kirche vorbei, deren schlanker Spitz weit sichtbar in den Himmel ragt. Kurz darauf führte uns der Weg ins Landesinnere, durch ruhige Quartiere und hinaus in offene Felder entlang der Uderaach. Über den Familiengarten und am Schiessplatz vorbei erreichten wir die Goldach, die wir mittels Brücke überquerten – der letzte Kantonswechsel zurück nach St. Gallen.


Wieder zog es uns ans Bodenseeufer. Auf dem Uferquai von Goldach folgten wir der Promenade, bis wir den zwei singenden Bodensee-Nixen begegneten. Die Skulptur des Künstlers Karl Höfelmayr aus dem Jahr 1985 polarisiert bis heute. Kunst oder Kitsch? Wir liessen diese Frage offen und nahmen das Motiv einfach als charmanten Zwischenhalt am Weg mit.


Nach der Arionwiese erreichten wir den Bereich, an dem einst die Badhütte von Rorschach stand. Das 1924 erbaute Badehaus, über Jahrzehnte ein Wahrzeichen am Schweizer Bodenseeufer, wurde im Dezember 2024 durch einen Brand vollständig zerstört. Die Ursache blieb unklar, zurück blieb eine spürbare Leerstelle. Wo früher Holz, Stege und Sommererinnerungen das Bild prägten, öffnet sich heute ein freier Blick auf den See. Still, fast ungewohnt offen – ein Ort, der an Vergänglichkeit erinnert und zugleich Raum für Neues lässt. Die Stadt plant einen Wiederaufbau, doch wie dieser aussehen wird, bleibt vorerst offen.


Kurz darauf verliessen wir das Seeufer und zogen in Richtung Stadtzentrum. Am Marktplatz von Rorschachangekommen, erreichten wir unser Ziel: das Stars and Stripes Rorschach. Dort erwartete uns ein ausgedehnter Neujahrsbrunch im amerikanischen Stil – reichhaltig, vielfältig und genau das Richtige nach dieser Wanderung. Pancakes, Eggs, Bacon, Kaffee und süsse wie herzhafte Klassiker machten den Jahresbeginn kulinarisch rund und setzten einen genussvollen Schlusspunkt.


Fazit


Eine ruhige, stimmige Neujahrswanderung entlang des Bodensees mit viel Weite, Geschichte und leisen Momenten. Die rund 10 Kilometer lange Strecke von Arbon nach Rorschach lässt sich in etwa 2 Stunden und 15 Minuten gut bewältigen und kommt ohne nennenswerte Höhenmeter aus. Ideal für einen bewussten Start ins neue Jahr – mit Bewegung draussen und einem genussvollen Abschluss am Tisch.

Arbon Seemoosriet - Horn - Rorschach

Arbon Seemoosriet
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